U3000
摘要
Christoph Schlingensief war ein Großmeister der Störung des gesellschaftlichen „common sense“ (vgl. Snir 2016). Im Feuilleton wurde er dafür immer wieder mit dem pejorativ gemeinten Label eines Agent Provocateur bedacht, der provoziere, um mediale Aufmerksamkeit für sich zu generieren. Das eigentliche ästhetische Programm von Schlingensiefs Kunst, für das die Aufstörung nicht Zweck, sondern Mittel ist, bleibt in der kulturräsonierenden Öffentlichkeit daher meist unberücksichtigt. Schlingensiefs ästhetische Interventionen realisieren eine Politik der Form, die Traditionslinien der Avantgarden (vgl. Knapp/Lindholm/Pogoda 2019; s. Kap. 61) mit den in den 1990er Jahren aktuellen ästhetischen Verfahren des postdramatischen Theaters verbindet und für eine Kritik kultureller Hegemonie fruchtbar macht