Die Industrialisierung hat die Produktionsweise von Gütern revolutioniert. In wenigen Dekaden des 19. Jh.s hat, so schildern es Karl Marx und Friedrich Engels mit dem Grundton der Bewunderung, das Zusammenspiel von technischem Fortschritt und dem unternehmerischen Ehrgeiz des Bürgertums „kolossalere Produktionskräfte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen“ (Marx/Engels 1972, 467). Rationale Arbeitsteilung sowie der Einsatz von Maschinen zur Automatisierung einzelner Fertigungsschritte erlauben seitdem eine Massenproduktion, die sich am Markt durch eine hohe Warenverfügbarkeit manifestiert. Zugleich sind Herstellung und Konsumption kosmopolitisch geworden: „Rohstoffe aus den entlegensten Zonen dieser Erde werden zu Fabrikaten verarbeitet“, die „in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden“ (ebd., 466). Ein ähnlich rasanter Entwicklungsschub der Produktivität wird heute im Kontext der Debatte um die sog. ‚Industrie 4.0‘ prognostiziert, in der die radikalen Neuerungen in der Kommunikationstechnologie seit der Einführung des Internets konsequent für die Produktentwicklung und Fertigung fruchtbar gemacht werden sollen. Im Handel, der die Absatzmärkte für die Anbieter der nun massenhaft hergestellten Waren sowie Beschaffungsmärkte für ihre Nachfrager koordiniert, sind mit der zunehmenden Industrialisierung beständig neue Betriebsformen entstanden, wobei sich zugleich das Netz an Vertriebsoptionen verdichtet hat. Der letzte große Sprung lag hier in der Durchsetzung des E- und Mobile-Commerce, der den Erwerb von Waren zeitlich und räumlich so flexibel macht wie nie zuvor. Das Design ist mit den stark veränderten Anforderungen an die Produktion und den Vertrieb von Gütern entstanden und gewachsen, die diese historischen Entwicklungen gezeitigt haben. Sein Beitrag zur Wertschöpfung von Unternehmen aus Industrie und Handel liegt im Entwurf. In ständigem Dialog mit technischen und administrativen Abteilungen soll hier nach betriebswirtschaftlichen Vorgaben (Ziele, Ressourcen, Zeit- und Budgetrahmen etc.) aus den Möglichkeiten, die in einem technischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Status quo allgemein liegen, die gestalterisch-funktionale Basis für potenziell innovative Produkte entwickelt werden, d. h. im Sinne Joseph A. Schumpeters (1912) für Produkte, die sich am Markt durchsetzen. Der Entwurf muss in den als erfolgskritisch definierten Punkten, die unterschiedlicher Natur sein können (kostengünstige Produzierbarkeit, Anmutung, Funktionsumfang usw.), folglich immer über etablierte Herleitungsweisen hinausgehen und seine Realisierung muss im intendierten Anwendungsfall einen instrumentellen Wert aufweisen, der sich im Produktdesign zudem nach kausalen Gesetzen verwirklicht. Die Inanspruchnahme einer Entwurfsleistung ist für ein Unternehmen immer dann erwägenswert, wenn sie ihm eine signifikante Gewinnsteigerung verspricht. Der Zweck, dem das Design dient und der den ständigen Referenzpunkt für jede gestalterische Entscheidung im Prozess einer Angebotsentwicklung bildet, ist damit kein anderer als der Unternehmenszweck der Profitmaximierung selbst. Fragen nach einem nutzerzentrierten Design, den ethisch-moralischen Effekten der Produkte oder ihrer Umweltbilanz bleiben so systembedingt relativ zu den Anforderungen, die die aktuellen Marktdynamiken an die Unternehmen stellen, sowie zu den monetären Chancen, die sie ihnen bieten. Begrenzt, korrigiert und regional differenziert werden sie u. a. von rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen sowie von den Prozessen der sog. öffentlichen Meinung.

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Industrie und Handel

  • Oliver Baron

摘要

Die Industrialisierung hat die Produktionsweise von Gütern revolutioniert. In wenigen Dekaden des 19. Jh.s hat, so schildern es Karl Marx und Friedrich Engels mit dem Grundton der Bewunderung, das Zusammenspiel von technischem Fortschritt und dem unternehmerischen Ehrgeiz des Bürgertums „kolossalere Produktionskräfte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen“ (Marx/Engels 1972, 467). Rationale Arbeitsteilung sowie der Einsatz von Maschinen zur Automatisierung einzelner Fertigungsschritte erlauben seitdem eine Massenproduktion, die sich am Markt durch eine hohe Warenverfügbarkeit manifestiert. Zugleich sind Herstellung und Konsumption kosmopolitisch geworden: „Rohstoffe aus den entlegensten Zonen dieser Erde werden zu Fabrikaten verarbeitet“, die „in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden“ (ebd., 466). Ein ähnlich rasanter Entwicklungsschub der Produktivität wird heute im Kontext der Debatte um die sog. ‚Industrie 4.0‘ prognostiziert, in der die radikalen Neuerungen in der Kommunikationstechnologie seit der Einführung des Internets konsequent für die Produktentwicklung und Fertigung fruchtbar gemacht werden sollen. Im Handel, der die Absatzmärkte für die Anbieter der nun massenhaft hergestellten Waren sowie Beschaffungsmärkte für ihre Nachfrager koordiniert, sind mit der zunehmenden Industrialisierung beständig neue Betriebsformen entstanden, wobei sich zugleich das Netz an Vertriebsoptionen verdichtet hat. Der letzte große Sprung lag hier in der Durchsetzung des E- und Mobile-Commerce, der den Erwerb von Waren zeitlich und räumlich so flexibel macht wie nie zuvor. Das Design ist mit den stark veränderten Anforderungen an die Produktion und den Vertrieb von Gütern entstanden und gewachsen, die diese historischen Entwicklungen gezeitigt haben. Sein Beitrag zur Wertschöpfung von Unternehmen aus Industrie und Handel liegt im Entwurf. In ständigem Dialog mit technischen und administrativen Abteilungen soll hier nach betriebswirtschaftlichen Vorgaben (Ziele, Ressourcen, Zeit- und Budgetrahmen etc.) aus den Möglichkeiten, die in einem technischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Status quo allgemein liegen, die gestalterisch-funktionale Basis für potenziell innovative Produkte entwickelt werden, d. h. im Sinne Joseph A. Schumpeters (1912) für Produkte, die sich am Markt durchsetzen. Der Entwurf muss in den als erfolgskritisch definierten Punkten, die unterschiedlicher Natur sein können (kostengünstige Produzierbarkeit, Anmutung, Funktionsumfang usw.), folglich immer über etablierte Herleitungsweisen hinausgehen und seine Realisierung muss im intendierten Anwendungsfall einen instrumentellen Wert aufweisen, der sich im Produktdesign zudem nach kausalen Gesetzen verwirklicht. Die Inanspruchnahme einer Entwurfsleistung ist für ein Unternehmen immer dann erwägenswert, wenn sie ihm eine signifikante Gewinnsteigerung verspricht. Der Zweck, dem das Design dient und der den ständigen Referenzpunkt für jede gestalterische Entscheidung im Prozess einer Angebotsentwicklung bildet, ist damit kein anderer als der Unternehmenszweck der Profitmaximierung selbst. Fragen nach einem nutzerzentrierten Design, den ethisch-moralischen Effekten der Produkte oder ihrer Umweltbilanz bleiben so systembedingt relativ zu den Anforderungen, die die aktuellen Marktdynamiken an die Unternehmen stellen, sowie zu den monetären Chancen, die sie ihnen bieten. Begrenzt, korrigiert und regional differenziert werden sie u. a. von rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen sowie von den Prozessen der sog. öffentlichen Meinung.