Medienwissenschaft lässt sich als eine Disziplin begreifen, die ihren epistemischen Fokus auf jene Erscheinungsformen richtet, in denen Medialität als konstitutive Bedingung kultureller Sinnproduktion wirksam wird. Indem sie technische Artefakte, ästhetische Konfigurationen, zeichenhafte Ordnungen und kommunikative Systeme gleichermaßen als Generatoren medialer Vermittlung analysiert, überschreitet sie einen empirisch verengten Medienbegriff und etabliert sich als kulturwissenschaftlich fundierte Wissenspraxis. Ihre methodische Pluralität, genealogische Offenheit und systematische Differenzierung verschiedener Medienobjekte und -institutionen führen zu einer produktiven Unschärfe, die nicht als Defizit, sondern als heuristische Voraussetzung dient, um die Kontingenz, historische Wandelbarkeit und diskursive Verfasstheit medialer Phänomene adäquat zu erfassen. In dieser reflexiven Anlage verdichtet Medienwissenschaft nicht nur gegenwärtige Medienkulturen analytisch, sondern wirkt durch ihre theoretischen Zugriffspunkte zugleich performativ an deren Konstitution mit. Gerade diese doppelte Bewegung aus Analyse und (Mit-)Gestaltung der Bedingungen medialer Möglichkeitsräume eröffnet eine Perspektive, in der Medienwissenschaft als eine Disziplin der Designwissenschaft verstanden werden kann: als eine Möglichkeit, kulturelle Technologien des Wahrnehmens, Darstellens und Verstehens nicht nur zu beschreiben, sondern auch zu formen, zu modellieren und in ihren ästhetischen wie epistemischen Implikationen zu entwerfen. Dadurch entstehen Anschlussräume zu benachbarten Wissensformationen, in denen Medien als gestaltbare, wirkmächtige und zugleich wandelbare Entitäten situierbar werden.

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Medienwissenschaft

  • Oliver Ruf

摘要

Medienwissenschaft lässt sich als eine Disziplin begreifen, die ihren epistemischen Fokus auf jene Erscheinungsformen richtet, in denen Medialität als konstitutive Bedingung kultureller Sinnproduktion wirksam wird. Indem sie technische Artefakte, ästhetische Konfigurationen, zeichenhafte Ordnungen und kommunikative Systeme gleichermaßen als Generatoren medialer Vermittlung analysiert, überschreitet sie einen empirisch verengten Medienbegriff und etabliert sich als kulturwissenschaftlich fundierte Wissenspraxis. Ihre methodische Pluralität, genealogische Offenheit und systematische Differenzierung verschiedener Medienobjekte und -institutionen führen zu einer produktiven Unschärfe, die nicht als Defizit, sondern als heuristische Voraussetzung dient, um die Kontingenz, historische Wandelbarkeit und diskursive Verfasstheit medialer Phänomene adäquat zu erfassen. In dieser reflexiven Anlage verdichtet Medienwissenschaft nicht nur gegenwärtige Medienkulturen analytisch, sondern wirkt durch ihre theoretischen Zugriffspunkte zugleich performativ an deren Konstitution mit. Gerade diese doppelte Bewegung aus Analyse und (Mit-)Gestaltung der Bedingungen medialer Möglichkeitsräume eröffnet eine Perspektive, in der Medienwissenschaft als eine Disziplin der Designwissenschaft verstanden werden kann: als eine Möglichkeit, kulturelle Technologien des Wahrnehmens, Darstellens und Verstehens nicht nur zu beschreiben, sondern auch zu formen, zu modellieren und in ihren ästhetischen wie epistemischen Implikationen zu entwerfen. Dadurch entstehen Anschlussräume zu benachbarten Wissensformationen, in denen Medien als gestaltbare, wirkmächtige und zugleich wandelbare Entitäten situierbar werden.