Der Begriff ‚Experiment‘, der sich vom lateinischen Verbum experiri (versuchen, erproben, prüfen, durch Erfahrung kennenlernen) ableitet, bezeichnet allgemein gesprochen eine planmäßige, mit Hilfsmitteln und Geräten operierende Handlung zum Zwecke der Beobachtung und der Erlangung oder Überprüfung von Wissen über die Außenwelt. Eingang gefunden hat der Begriff in verschiedene Wissensbereiche: Medizin, Natur- und Ingenieurswissenschaften, Psychologie, Sozialwissenschaften, Archäologie, die Künste und mithin Design und Designwissenschaft. In diesen Disziplinen hat das Experiment jeweils spezifische Ausprägungen erfahren. Zumeist wird es in erster Linie mit den Naturwissenschaften und einer systematischen Vorgehensweise nach strengen Regeln in Verbindung gebracht. Aber auch in den bildenden und darstellenden Künsten werden Werke als experimentell bezeichnet – ein Sprachgebrauch, der häufig als lediglich metaphorisch eingestuft wird, da künstlerische Experimente nicht den Kriterien entsprechen, die das Experiment in den empirischen Wissenschaften charakterisieren. Innerhalb der letzten zwei Dekaden haben die Wissenschaftsgeschichte sowie die Literatur-, Kunst- und Designwissenschaften diese verfestigten Vorstellungen und das Primat des naturwissenschaftlichen Experiments teilweise revidiert. Der sog. ‚Neue Experimentalismus‘ relativierte die im 20. Jh. dominante Auffassung des Theorieprimats sowie des deduktiven, hypothesentestenden Experiments und plädierte für eine breitere Sichtweise. Die Herausbildung des ‚research through design‘-Ansatzes (RTD) in den letzten Dekaden lässt erwarten, dass die zwei Experimentalkulturen im Design, einerseits das gestalterische Experiment, das zu neuartigen, gewagten Artefakten führt, und andererseits das wissenschaftliche Designexperiment, das vornehmlich auf die Erzeugung neuen Wissens abzielt, in exzellenten Forschungsprojekten wieder zusammenfinden.

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Experimente

  • Dagmar Steffen

摘要

Der Begriff ‚Experiment‘, der sich vom lateinischen Verbum experiri (versuchen, erproben, prüfen, durch Erfahrung kennenlernen) ableitet, bezeichnet allgemein gesprochen eine planmäßige, mit Hilfsmitteln und Geräten operierende Handlung zum Zwecke der Beobachtung und der Erlangung oder Überprüfung von Wissen über die Außenwelt. Eingang gefunden hat der Begriff in verschiedene Wissensbereiche: Medizin, Natur- und Ingenieurswissenschaften, Psychologie, Sozialwissenschaften, Archäologie, die Künste und mithin Design und Designwissenschaft. In diesen Disziplinen hat das Experiment jeweils spezifische Ausprägungen erfahren. Zumeist wird es in erster Linie mit den Naturwissenschaften und einer systematischen Vorgehensweise nach strengen Regeln in Verbindung gebracht. Aber auch in den bildenden und darstellenden Künsten werden Werke als experimentell bezeichnet – ein Sprachgebrauch, der häufig als lediglich metaphorisch eingestuft wird, da künstlerische Experimente nicht den Kriterien entsprechen, die das Experiment in den empirischen Wissenschaften charakterisieren. Innerhalb der letzten zwei Dekaden haben die Wissenschaftsgeschichte sowie die Literatur-, Kunst- und Designwissenschaften diese verfestigten Vorstellungen und das Primat des naturwissenschaftlichen Experiments teilweise revidiert. Der sog. ‚Neue Experimentalismus‘ relativierte die im 20. Jh. dominante Auffassung des Theorieprimats sowie des deduktiven, hypothesentestenden Experiments und plädierte für eine breitere Sichtweise. Die Herausbildung des ‚research through design‘-Ansatzes (RTD) in den letzten Dekaden lässt erwarten, dass die zwei Experimentalkulturen im Design, einerseits das gestalterische Experiment, das zu neuartigen, gewagten Artefakten führt, und andererseits das wissenschaftliche Designexperiment, das vornehmlich auf die Erzeugung neuen Wissens abzielt, in exzellenten Forschungsprojekten wieder zusammenfinden.