Laut theologischem Realismus beanspruchen Christen (Juden, Muslime...) mit Äußerungen wie „Gott hat die Welt erschaffen“ wahre oder falsche Aussagen über eine nicht auf Moral oder Anthropologie reduzierbare, genuin theologische, von menschlichem Denken, Handeln und Sprechen unabhängige Wirklichkeit zu treffen. Der Artikel erläutert diese Bestimmung, führt in die Geschichte der Kritik am Realismus ein, unterscheidet drei Typen von theologischem Antirealismus und grenzt sie vom klassischen Atheismus ab. Da es sich beim Antirealismus um eine vergleichsweise junge, revisionäre Auffassung handelt, liegt die Beweislast bei seinen Vertretern. Sieben Einwände gegen den theologischen Realismus werden vorgestellt, expliziert und als nicht-triftig zurückgewiesen. Dass ein gütiges und mächtiges Wesen unseren Kosmos (buchstäblich!) geschaffen hat und den Schlüssel zu ewigem Leben und universaler Gerechtigkeit in Händen hält, ist eine aufregende Behauptung. Es besteht für die Theologie kein Anlass, statt dieser originalen, gewiss klärungsbedürftigen, womöglich irrigen und skandalösen, aber doch jederzeit interessanten Sache einen blutleeren antirealistischen Wiedergänger als ihren Gegenstand auszugeben.

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Realismus und Antirealismus

  • Christian Weidemann

摘要

Laut theologischem Realismus beanspruchen Christen (Juden, Muslime...) mit Äußerungen wie „Gott hat die Welt erschaffen“ wahre oder falsche Aussagen über eine nicht auf Moral oder Anthropologie reduzierbare, genuin theologische, von menschlichem Denken, Handeln und Sprechen unabhängige Wirklichkeit zu treffen. Der Artikel erläutert diese Bestimmung, führt in die Geschichte der Kritik am Realismus ein, unterscheidet drei Typen von theologischem Antirealismus und grenzt sie vom klassischen Atheismus ab. Da es sich beim Antirealismus um eine vergleichsweise junge, revisionäre Auffassung handelt, liegt die Beweislast bei seinen Vertretern. Sieben Einwände gegen den theologischen Realismus werden vorgestellt, expliziert und als nicht-triftig zurückgewiesen. Dass ein gütiges und mächtiges Wesen unseren Kosmos (buchstäblich!) geschaffen hat und den Schlüssel zu ewigem Leben und universaler Gerechtigkeit in Händen hält, ist eine aufregende Behauptung. Es besteht für die Theologie kein Anlass, statt dieser originalen, gewiss klärungsbedürftigen, womöglich irrigen und skandalösen, aber doch jederzeit interessanten Sache einen blutleeren antirealistischen Wiedergänger als ihren Gegenstand auszugeben.