Geboren 1940 bis 1960 - Tradition und Revolte
摘要
Das Nachdenken darüber, wie man die Generation der zwischen 1940 und 1960 geborenen Interpret*innen und die Tendenzen ihrer Zeit näher fassen könnte, führt in das Spannungsfeld der Begriffe »Tradition« und »Revolte«. Denn die 1960er und 1970er Jahre waren durch Umbrüche geprägt, deren Auswirkungen zum Teil bis heute spürbar sind. Die Friedensbewegung, ökologische Initiativen, die Sehnsucht nach sexueller Befreiung, der Kampf um Freiheit und Selbstverwirklichung, die Frauenbewegung sowie das Einfordern von Minderheitenrechten können hier Erwähnung finden (Faulstich 2003 und 2004, Balzer 2019). Diese gesellschaftlichen und politischen Wandlungen, als deren Brennpunkt das Jahr 1968 verortet werden kann, hinterließen ihre Spuren in Wissenschaft und Kunst und letztlich auch bei den Interpreten. Dennoch sollte man sie nicht als »Revolutionen« (als tiefgreifende, dauerhaft wirksame Umwälzungen) begreifen: Einige der von der »Protestgeneration« artikulierten Anliegen wurden durch die Vereinnahmung des Mainstreams und der Musikindustrie außer Kraft gesetzt, andere sind bis heute nicht eingelöst. Treffender wäre es also, von »Revolten« zu sprechen, die (im großen historischen Kontext betrachtet) kurzfristig – für einige Jahre, zum Teil gar Jahrzehnte – eine enorme Sprengkraft entwickelten. Sie lassen sich als antiautoritäres Aufbegehren fassen, mit dem eine Neukonzeption von Klang bzw. Sound einherging, und das in den 1970ern seine Spuren nicht nur in Rock und Pop, sondern auch in der neuen Musik und in der historischen Aufführungspraxis hinterließ.