Geboren um 1790 - Musik in und aus der Ferne: Aufführung als Projektion
摘要
Wie im vorausgegangenen Kapitel müssen zunächst einige äußere Bedingungen des Musizierens und Musik-Aufnehmens wenigstens genannt werden, die für die konkrete Arbeit an der musikalischen Interpretation nicht ohne Folgen bleiben können. Auch wenn die Achtung vor zyklisch konzipierten Werken zunimmt, werden noch immer einzelne Sätze herausgelöst dargeboten (wie in »populären« Konzerten bis heute), Teile von umfangreicheren Kompositionen als überflüssig, allzu kompliziert oder zu wenig effektvoll weggelassen oder gegen geeigneter erscheinende ausgetauscht, auch Sätze verschiedener Herkunft zu einem neuen Ganzen verbunden – kurz gesagt, hat sich der Gedanke des integralen unverletzlichen Werks noch nicht überall durchgesetzt, in der Oper ohnehin nicht. Allerdings bilden sich für die Konzertprogramme bis 1850 Standards heraus, die von den bisher gewohnten abweichen: Bis dahin galt fast als einzige Richtlinie, dass Abwechslung zwischen Solo- und Orchester-, Vokal- und Instrumentalstücken herrschen sollte; auch von Virtuosen auf eigene Rechnung veranstaltete Abende mussten zwischendurch Lieder und Arien bieten, vielleicht noch Solovorträge anderer und am besten ein, zwei Ouvertüren.