Fazit: Deutscher Neoliberalismus und die semantische Gegenrevolution
摘要
Das Buch schließt mit einer Betrachtung der internen begrifflichen Auseinandersetzungen der Neoliberalen sowie der öffentlich eingesetzten semantischen Strategien. Es wird argumentiert, dass die Frage nach dem tatsächlichen Erfolg des deutschen Neoliberalismus neu gestellt werden muss, indem auch seine semantischen Errungenschaften berücksichtigt werden. Mitunter hatten scheinbar kleine semantische Anpassungen unmittelbare (politische) Auswirkungen: Die Anpassung der Bedeutung (und der Ansprüche) zentraler Konzepte kann somit die Grundlagen der Debatte verschieben. Gleichzeitig ermöglicht die genaue Analyse ihrer begrifflichen Strategien, jene Fälle zu erkennen, in denen es den deutschen Neoliberalen nicht gelang, ihre semantische Agenda durchzusetzen. Tatsächlich liefert die Studie zentrale Beispiele für die sprachlichen Grenzen von Begriffstransfers. Die neoliberale semantische „Gegenrevolution“ litt somit eindeutig unter kulturellen und sprachlichen Beschränkungen und war selbst in Deutschland nur teilweise erfolgreich. Abschließend skizziert das Kapitel einige Implikationen für die weitere Forschung, wie etwa die Untersuchung der mittel- und langfristigen Auswirkungen neoliberaler Bestrebungen, wie sie erstmals vom Think-Tank ASM in den 1950er Jahren durchgeführt wurden. Eine vertiefte Analyse des „organisierten Neoliberalismus“ in Deutschland könnte sich als fruchtbar erweisen, um eine Kontinuität (semantischer) Strategien und politischer Wirkungen dieser Denkschule herauszuarbeiten. Die Vernachlässigung des Neoliberalismus als politisches Projekt in der deutschen Geschichte hat bislang verhindert, dass die Forschung diese Kontinuität identifiziert und weiter untersucht.