Die Entstehung des deutschen Neoliberalismus: Semantische Bemühungen zur Unterstützung des (unvollkommenen) Marktes
摘要
Das Kapitel analysiert die öffentlichen Debatten während der Konferenzen der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM) im Hinblick auf die vorgestellten semantischen Strategien. Während der Unterschied des Neoliberalismus zu früheren Ansätzen des Laisser-faire kontinuierlich betont wurde, hatten die deutschen Befürworter Schwierigkeiten, ein kohärentes Konzept als Antwort auf die negativen Folgen der Marktordnung zu präsentieren. Es wurde weithin anerkannt, dass die Effizienz der Marktwirtschaft ihren Preis hatte: Abhängigkeit von der Weltwirtschaft, stetiges Wirtschaftswachstum zur Sicherung des sozialen Friedens und das unaufhörliche Streben des Einzelnen nach mehr (grenzenloser Konsumismus). Dementsprechend präsentierten deutsche Neoliberale eine Vielzahl begrifflicher Strategien zur Verteidigung der Marktordnung. Ihre Rhetorik war flexibel genug, um aktuelle Probleme aufzugreifen und gegenwärtige politische Forderungen mit einer neoliberalen Ordnung in Einklang zu bringen (z. B. die Verknüpfung von Flexibilität und Sicherheit, um die Mobilität der Arbeitnehmer zu rechtfertigen). Darüber hinaus führten die führenden deutschen Protagonisten Alexander Rüstow und Wilhelm Röpke neue Begriffe (Staatsbürger, Zielgemeinschaft) ein, um eine moralisch-ethische Überbau zur Ergänzung der Marktordnung zu schaffen. Durch die Nachverfolgung begrifflicher Transfers in die Politik zeigt das Kapitel, dass die ASM ihrer angestrebten Rolle als intellektuelle Leitinstanz und visionärer Think-Tank tatsächlich gerecht wurde.