Das Kapitel bietet eine umfassende Darstellung der frühen Geschichte der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM), ihrer Organisationsstruktur und der Vielzahl ihrer Aktivitäten. Ursprünglich als gemeinsames Unterfangen mit Befürwortern der Freiwirtschaft (Freiwirte) gegründet, wurden diese Einflüsse bald gezielt ausgeschaltet. Die Vereinigung, die zur Teilnahme am Wahlkampf 1953 ins Leben gerufen wurde, entwickelte sich im folgenden Jahrzehnt zum zentralen Forum für die öffentliche Verbreitung einer neoliberalen Agenda. Dank des Engagements von Alexander Rüstow konnten die in der Weimarer Republik gewonnenen Erfahrungen und Kompetenzen erfolgreich in einen vollwertigen Think-Tank überführt werden, der breite öffentliche Resonanz fand. Auf Basis von Archivmaterial legt das Kapitel die finanziellen Verflechtungen der ASM offen und wirft damit erhebliche Zweifel an ihren zahlreichen Unabhängigkeits- und Objektivitätserklärungen auf. Darüber hinaus untersucht das Kapitel die enge Zusammenarbeit zwischen der Führung der Vereinigung und dem Wirtschaftsministerium. Es zeigt, dass nicht nur die Proklamierung ihrer Unabhängigkeit, sondern auch ihre offen geäußerte Kritik an der Regierungspolitik Teil einer abgestimmten Strategie war. Die hinter den Kulissen ausgehandelte strategische Kooperation zur Unterstützung von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard verdeutlicht, wie mächtig der „organisierte Neoliberalismus“ in Deutschland zu jener Zeit war.

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Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM): Ein vergessener Think Tank der Nachkriegszeit

  • Arne Immo Andries Käthner

摘要

Das Kapitel bietet eine umfassende Darstellung der frühen Geschichte der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM), ihrer Organisationsstruktur und der Vielzahl ihrer Aktivitäten. Ursprünglich als gemeinsames Unterfangen mit Befürwortern der Freiwirtschaft (Freiwirte) gegründet, wurden diese Einflüsse bald gezielt ausgeschaltet. Die Vereinigung, die zur Teilnahme am Wahlkampf 1953 ins Leben gerufen wurde, entwickelte sich im folgenden Jahrzehnt zum zentralen Forum für die öffentliche Verbreitung einer neoliberalen Agenda. Dank des Engagements von Alexander Rüstow konnten die in der Weimarer Republik gewonnenen Erfahrungen und Kompetenzen erfolgreich in einen vollwertigen Think-Tank überführt werden, der breite öffentliche Resonanz fand. Auf Basis von Archivmaterial legt das Kapitel die finanziellen Verflechtungen der ASM offen und wirft damit erhebliche Zweifel an ihren zahlreichen Unabhängigkeits- und Objektivitätserklärungen auf. Darüber hinaus untersucht das Kapitel die enge Zusammenarbeit zwischen der Führung der Vereinigung und dem Wirtschaftsministerium. Es zeigt, dass nicht nur die Proklamierung ihrer Unabhängigkeit, sondern auch ihre offen geäußerte Kritik an der Regierungspolitik Teil einer abgestimmten Strategie war. Die hinter den Kulissen ausgehandelte strategische Kooperation zur Unterstützung von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard verdeutlicht, wie mächtig der „organisierte Neoliberalismus“ in Deutschland zu jener Zeit war.