Die „erste Nachkriegszeit“: Elitennetzwerke in einer Zeit der Krise (1924–1933)
摘要
Das Kapitel zeigt die Existenz eines gut entwickelten neoliberalen Netzwerks in den späten 1920er Jahren auf, das sich um Alexander Rüstow in Berlin zentrierte und auf vielfältige Weise in politische Angelegenheiten eingebunden war. Der erste Teil des Kapitels konzentriert sich auf einige Wendepunkte im Leben dieser Gruppe von Akademikern – der ersten Generation der Neoliberalen – sowie auf die intellektuellen Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts, die sie prägten. Der zweite Teil wirft einen genaueren Blick auf die verschiedenen akademischen, aber auch – und insbesondere – politischen Bestrebungen während der Weimarer Republik. Dieser Aspekt wurde in der bisherigen Forschung vernachlässigt, verdient jedoch ebenso viel Aufmerksamkeit wie die Bemühungen der Neoliberalen als Wissenschaftler und Intellektuelle. Die Darstellung der Aktivitäten in der Zwischenkriegszeit zeigt zudem, dass die Zusammenarbeit bereits über die deutschen Grenzen hinausging und Wissenschaftler wie Friedrich Hayek, Fritz Machlup(-Wolf) und Ludwig Mises einschloss. Dieses Kapitel verdeutlicht somit, dass die 1920er und frühen 1930er Jahre bereits eine Zeit des direkten neoliberalen Aktivismus waren, in der die grundlegende Strategie und die Ressourcen eines liberalen Think Tanks bereits vorhanden waren. Der deutsche Neoliberalismus, so zeigt das Kapitel, muss als ein politisches Projekt ernst genommen werden, das in den Zwischenkriegsjahren begann und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgreich wiederbelebt wurde.