In diesem Kapitel wird die entscheidende Rolle territorialer Kontexte bei der Ausprägung moderner politischer Gefühle von Ohnmacht und Frustration untersucht. Während Unzufriedenheit häufig anhand individueller Faktoren analysiert wird, hebt die jüngere Forschung den tiefgreifenden Einfluss geografischer und kontextueller Faktoren hervor. Aufbauend auf Konzepten wie Katherine J. Cramers „rural consciousness“ (ländliches Bewusstsein) und dem Ansatz der „Geografie der Unzufriedenheit“ wird untersucht, wie territoriale Marginalisierung und historische wirtschaftliche Entwicklungen politische Haltungen und Verhaltensweisen prägen, illustriert durch Fallstudien aus Lateinamerika, Europa und den USA. Wir plädieren für einen Perspektivwechsel von der „Geografie des Wählens“ hin zu einer „Geografie der Unzufriedenheit“ und betonen die Notwendigkeit, Dimensionen der Haltung zu berücksichtigen, die in traditionellen Analysen häufig vernachlässigt werden. Dabei wird anhand von Protesten in Lateinamerika, beispielsweise die Demonstrationen in Chile 2019, aufgezeigt, wie unerfüllte Erwartungen und das Gefühl der Vernachlässigung politischen Groll schüren. Im Gegensatz zu Europa und den USA, wo Unzufriedenheit häufig in populistische Narrative mündet, verdeutlicht die lateinamerikanische Erfahrung vielfältige Ausdrucksformen von Unzufriedenheit, darunter Proteste und Wahlverzicht. Darüber hinaus werden in diesem Kapitel Instrumente zur Verfügung gestellt, um das demokratisierende Potenzial digitaler Plattformen insbesondere für marginalisierte Gruppen zu erfassen. Durch die Integration territorialer und digitaler Dimensionen bietet diese Arbeit einen multidisziplinären Rahmen zur Analyse politischer Entfremdung und liefert Impulse zur Bewältigung demokratischer Herausforderungen in unterschiedlichen Kontexten.

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Theoretischer Rahmen

  • Pedro Fierro,
  • Patricio Aroca,
  • Patricio Navia

摘要

In diesem Kapitel wird die entscheidende Rolle territorialer Kontexte bei der Ausprägung moderner politischer Gefühle von Ohnmacht und Frustration untersucht. Während Unzufriedenheit häufig anhand individueller Faktoren analysiert wird, hebt die jüngere Forschung den tiefgreifenden Einfluss geografischer und kontextueller Faktoren hervor. Aufbauend auf Konzepten wie Katherine J. Cramers „rural consciousness“ (ländliches Bewusstsein) und dem Ansatz der „Geografie der Unzufriedenheit“ wird untersucht, wie territoriale Marginalisierung und historische wirtschaftliche Entwicklungen politische Haltungen und Verhaltensweisen prägen, illustriert durch Fallstudien aus Lateinamerika, Europa und den USA. Wir plädieren für einen Perspektivwechsel von der „Geografie des Wählens“ hin zu einer „Geografie der Unzufriedenheit“ und betonen die Notwendigkeit, Dimensionen der Haltung zu berücksichtigen, die in traditionellen Analysen häufig vernachlässigt werden. Dabei wird anhand von Protesten in Lateinamerika, beispielsweise die Demonstrationen in Chile 2019, aufgezeigt, wie unerfüllte Erwartungen und das Gefühl der Vernachlässigung politischen Groll schüren. Im Gegensatz zu Europa und den USA, wo Unzufriedenheit häufig in populistische Narrative mündet, verdeutlicht die lateinamerikanische Erfahrung vielfältige Ausdrucksformen von Unzufriedenheit, darunter Proteste und Wahlverzicht. Darüber hinaus werden in diesem Kapitel Instrumente zur Verfügung gestellt, um das demokratisierende Potenzial digitaler Plattformen insbesondere für marginalisierte Gruppen zu erfassen. Durch die Integration territorialer und digitaler Dimensionen bietet diese Arbeit einen multidisziplinären Rahmen zur Analyse politischer Entfremdung und liefert Impulse zur Bewältigung demokratischer Herausforderungen in unterschiedlichen Kontexten.