Schlussworte
摘要
In seinem Text „Le retour de l’événement“ (1972) greift Edgar Morin zunächst die Entgegensetzung zwischen Geschehen (événement) und Struktur auf: zwischen der Singularität, der Kontingenz, dem Zufälligen, dem Unwahrscheinlichen usw. des Geschehens einerseits, und dem Allgemeinen, der Regelmäßigkeit, der Wiederholbarkeit usw. der Struktur andererseits. Merkwürdigerweise ordnet er auch das Erlebnis (vécu) und den phänomenalen Zug (caractère phénoménal) dem Geschehen zu und versucht die Verbindung zwischen Geschehen-Zufall (accident-événement) und Struktur-System (système-structure) im Aufkommen des Lebens und des Menschen unter anderen Vorkommnissen zu begründen (Morin 1972, S. 8): immer dann, wenn die Entstehung als ursprüngliches Geschehen (événement originaire) gelte, dessen Fortleben durch organisatorische Strukturen ermöglicht werde, wie zum Beispiel nach der unvorhersehbaren Entstehung des Lebens seine strukturale Bewahrung durch Homöostase (Morin 1972, S. 10). Ausgehend von einer anderen Entgegensetzung – zwischen dem auf eine „zeitliche Ontologie“ hinweisenden Begriff des Geschehens und dem auf einer „räumlichen Ontologie“ begründeten Begriff des Elements – versucht er zu zeigen, dass die Zeitlichkeit des Geschehens auch für diejenigen Prozesse gelte, die zunächst aus dessen Negativität ausgeschlossen worden seien, vor allem die evolutiv-genetischen Ansätze aus den Naturwissenschaften, aber auch Richtungen der Geisteswissenschaften, für die weiterhin evolutionistische, mechanistische und kausalistische Paradigmen leitend seien (Morin 1972, S. 17f.). Die „Verdrängung des Geschehens“ solle insofern durch einige Ausrichtungen überwunden werden, wie u. a. die Dialektisierung des Verhältnisses zwischen Geschehen und System, der Einschluss des Katastrophalen als „kreative Kraft“ in einen sonst schlichten Evolutionismus, die Berücksichtigung des Zufälligen in systematischen Darlegungen in Bereichen der Anthropologie, Soziologie, Ethnologie usw (Morin 1972, S. 18f.).