Historische Grundlagen der Affektivitäts- und Lernforschung: C.G. Jungs Wortassoziationsexperimente
摘要
Die Wortassoziationsexperimente von C.G. Jung und Franz Riklin (1904/1981) stellen eine der ersten wissenschaftlichen Untersuchungen zur Natur der Affektivität dar. Auf Prinzipien der Assoziationspsychologie gestützt und mit dem Ziel, normative Daten von gesunden Populationen zu sammeln, entdeckten Jung und Riklin, dass bestimmte „gefühlstonierte Ideenkomplexe“ die kognitive Leistung und das Gedächtnis erheblich veränderten. Durch weitere Experimente arbeitete Jung die Verbindung heraus, die Affekt, sowohl unbewusst als auch bewusst, auf assoziative Funktionen und Lernen hatte. Im Gegensatz zur damals vorherrschenden Einstellung, dass emotional aufgeladene Erfahrungen ihre Bewahrung als Erinnerung förderten, zeigte Jung die negative oder amnestische Wirkung der Anregung hoch affektiver Ideenkomplexe auf. Dieses Kapitel verfolgt die historische Verwendung des Wortassoziationstests, diskutiert die Gründe, warum Jung eine Rolle für Affekt in einem ansonsten kognitiv orientierten Verfahren sah, und betrachtet den Einfluss dieser Arbeit auf die Affektivitätsforschung. Diese historische Untersuchung wird für diejenigen von Interesse sein, die derzeit Forschung und Praxis auf dem Gebiet der Affektivität und des Lernens betreiben.