Die somatischen Wurzeln der Affektivität: Hin zu einer körperzentrierten Bildung
摘要
Der tiefe Einfluss von Affektivität auf das Lernen wird nun weitgehend anerkannt (Keefer et al., 2018; Sánchez-Álvarez et al., 2021). Beispielsweise wurde gezeigt, dass Affekt Schlüsselprozesse, die für das Lernen relevant sind, wie Motivation, Wahrnehmung, Verhalten und kritisches Denken beeinflusst (Izard, 2002; Mayer & Salovey, 1997). Es gibt auch Belege dafür, dass Emotionen und Stimmungen die Aufmerksamkeit stark beeinflussen, was wiederum das Lernen und das Gedächtnis steuert (Elbertson et al., 2010; Elias et al., 1997). Zwischenmenschliche Phänomene, wie der Grad der Zuneigung und des Respekts zwischen Kind und Lehrer, beeinflussen ebenfalls die Lernprozesse, die akademischen Ergebnisse und die Gehirnentwicklung des Kindes (Kusché & Greenberg, 2006; Ryan & Patrick, 2001). Die einschlägige Literatur beachtet jedoch nicht die zunehmenden Belege dafür, dass affektive Phänomene in interozeptive und homöostatische Selbst- und Koregulationsprozesse innerhalb und zwischen den lebenden Körpern der Menschen verwurzelt sind (Barrett, 2017; Carvalho & Damasio, 2021; Craig, 2015, 2018; Fotopoulou et al., 2022; Fotopoulou & Tsakiris, 2017; Seth & Friston, 2016). In diesem theoretischen Kapitel untersuchen wir diese Verbindung und ihre Bedeutung für das Lernen. Wir argumentieren, dass affektive Erfahrungen eine grundlegende Rolle beim Lernen spielen und dass affektive Erfahrungen in der homöostatischen Selbst-/Koregulation von lebenden Körpern verwurzelt sind. Daher spielt die homöostatische Selbst-/Koregulation von lebenden Körpern eine grundlegende Rolle beim Lernen. Mit anderen Worten, es gibt eine intra- und interpersonale somatische Dimension des Lernens, die in Bildungskontexten explizite Berücksichtigung verlangt. Auf diese Weise möchten wir zu einem Verständnis von Lernen und Bildung beitragen, das sich von einer individualistischen, gehirnzentrierten Informationsverarbeitungskonzeption hin zu einer auf fühlenden, voneinander abhängigen lebenden Körpern zentrierten Konzeption bewegt.