Life-History-Theorie
摘要
Die Lebensgeschichtentheorie („life history theory“, LHT) stellt eines der prominentesten konzeptionellen Rahmenwerke in den evolutionären Sozialwissenschaften dar – ihre grundlegenden Annahmen werden in diesem Kapitel mit Schwerpunkt auf dem hypothetischen schnellen/langsamen Kontinuum beschrieben. Die LHT hat einen etwas anderen Ansatz in der Evolutionspsychologie im Vergleich zur Evolutionsbiologie und der menschlichen Verhaltensökologie („human behavioral ecology“, HBE); daher werden anschließend die evolutionär-psychologische Sicht auf die LHT und ihre Kritikpunkte vorgestellt. Ich biete eine detaillierte Analyse der Kovariationen zwischen verschiedenen lebensgeschichtlichen Merkmalen (Körpermasse, Reifealter, Beginn der sexuellen Aktivität, Alter bei der ersten Fortpflanzung, Fruchtbarkeit und elterliche Investition) und dem Grad ihrer Übereinstimmung mit dem Kontinuum. Darüber hinaus untersuche ich die vorhandenen Daten zu den Zusammenhängen zwischen ökologischem Kontext und Lebensgeschichte im Licht der Hypothese, dass härtere Umgebungsbedingungen eine schnelle Lebensgeschichtstrajektorie auslösen. Ich stelle meinen eigenen Ansatz zur Lebensgeschichte vor, nämlich den Netzwerkansatz, bei dem lebensgeschichtliche Merkmale und ihre Kovariationen als dynamische Systeme auf Bevölkerungsebene betrachtet werden. Schließlich gehe ich auf Kritikpunkte und offene Fragen zur LHT ein – Probleme der Übertragung von Annahmen von einer Art auf eine andere sowie auf interindividueller Ebene, das Ungeeignet-Sein des schnellen/langsamen Kontinuums zur adäquaten Beschreibung empirischer Daten und das Problem der Messung von Lebensgeschichten beim Menschen.