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Die Stunde des Gewehrs. Der antiimperialistische Kampf als Heilserwartung der Neuen Linken in Deutschland und Italien

  • Petra Terhoeven

摘要

Auch wenn ‚1968‘ treffend als „langer Sommer der Theorie“ beschrieben worden ist: der Protestbewegung, die die Ära der Theorie hervorbrachte, wird man weder hinsichtlich ihrer Breitenwirkung noch ihres kulturellen Erbes gerecht, wenn man sie allein auf die längst gut erforschten Inhalte der seinerzeit wie einen „Suchtstoff“ konsumierten Texte reduziert. Der Kanon neulinker Lektüren war nur ein, wenn auch ein besonders wichtiger Faktor für das Lebensgefühl der Revolte, das nicht zuletzt durch einen ganz bestimmten „Sound“ bestimmt wurde. Nicht umsonst gilt das ‚rote Jahrzehnt‘ als die letzte große Zeit des politischen Liedes. Für Stefano Pivato, Verfasser einer Studie zum Verhältnis von Politik und Gesang in der italienischen Geschichte, ist die Intonation politischer Lieder eine der wirksamsten Formen, um die gemeinsame Bindung an ein bestimmtes Ideal – „un credo politico“ („a political creed“) – nicht nur nach außen zu demonstrieren, sondern auch performativ zu bekräftigen. Tatsächlich lassen sich manche Hymnen der Bewegung als intonierte Glaubensbekenntnisse interpretieren, die nicht nur auf die affektive Dimension der Proteste verweisen, sondern auch auf deren inzwischen verstärkt betonte „religiöse Wurzeln“.