Dr. Jekyll und Mr. Hyde: Kaufmannsehre an der New York Stock Exchange während der Progressive Era
摘要
Der Beitrag analysiert die Versuche der New York Stock Exchange (NYSE), unlauteres Verhalten im Rahmen von Börsentransaktionen vor dem Ersten Weltkrieg zu verhindern. Es wird argumentiert, dass Menschen im Allgemeinen und Börsenmakler bzw. Börsenmaklerinnen im Besonderen manchmal (niederen) Instinkten folgen – so wie der berühmte Mr. Hyde in Robert Stevensons Roman. Der Beitrag analysiert den institutionellen Rahmen, der unerwünschte Transaktionen verhindern sollte, zeigt exemplarisch, wie die NYSE Mitglieder bei Regelverstößen zur Rechenschaft zog, und beschreibt, auf welche Weise das Narrativ der Kaufmannsehre (commercial honor) Gruppenkonformität schuf und die NYSE lange vor staatlicher Regulierung bewahrte. Er kommt zu dem Schluss, dass die Selbstregulierung und die ständige Anpassung der Regeln sowie das integrative – und moralisch konnotierte – Narrativ dazu beitrugen, sowohl die Funktionalität des Marktes als auch die Regelakzeptanz der Börsenhändler zu verbessern, dass sie aber nicht in der Lage waren, schädliches Verhalten endgültig zu verhindern.