Die Langeweile der Vielen: Delphis Blick in die ferne Zukunft, 1963–1964
摘要
Angesichts des Aufwands, der in die Entwicklung der Delphi-Befragung geflossen war, zeigten sich die RAND-Forscher erstaunlich zurückhaltend, was die Verbreitung ihrer Innovation betraf. Das änderte sich erst in den 1960er-Jahren, als Olaf Helmer sich mit dem jungen Ingenieur Theodore J. Gordon zusammentat, um eine groß angelegte Delphi-Studie durchzuführen, die auf einen im Vergleich zu früheren Studien deutlich längeren zeitlichen Ausblick abzielte. Die von den beiden Forschern 1964 fertig gestellte Langzeitprognose war die bis dahin größte Delphi-Studie und avancierte zweifellos auch zur einflussreichsten in der Geschichte dieser Methode. Seltsamerweise berücksichtigte das von Helmer und Gordon entwickelte Delphi-Design jedoch nicht die Grundsätze, die Helmer und Nicholas Rescher einige Jahre zuvor in „On the Epistemology of the Inexact Sciences“ vorgeschlagen hatten. Während die Delphi-Langzeitstudie zum paradigmatischen Beispiel wurde und Gestalt und Anwendung der Technik für die kommenden Jahrzehnte nachhaltig prägte, wurden ihre methodischen Mängel schnell deutlich – Mängel, die sich auch aus der Nichtberücksichtigung von Prinzipien ergaben, die in „On the Epistemology of the Inexact Sciences“ formuliert worden waren.