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Die Antithesis der heutigen Relativisten

  • Oskar Kraus

摘要

Wir haben festgestellt, daß Franz Brentano, obgleich er den Grundirrtum der Adäquationstheorie frühzeitig durchschaut hatte, doch die irrealen Wesenheiten erst im vorgerückten Alter als fiktiv erkannte, so daß alle seine älteren Schüler an der von ihm überwundenen Lehre festhielten. Wir haben diese Richtung ebenso bis auf die Gegenwart verfolgt wie die an Kant und Lotze anknüpfenden Schulen, die sich in ihren Ergebnissen jenen so sehr angenähert haben, daß man ihre verschiedenen Ursprünge vielfach verkennt. Das Gemeinsame sind die platonisierenden Tendenzen; diese Werttheoretiker bewegen sich schließlich in rein fiktiven Sphären ewiger Wertreiche und Geltungen, so löblich auch ihre Absicht sein mag, die Objektivität der Werte zu retten! Die Mahnung Brentanos zu sprachkritischer Besinnung und unsere an ihn anknüpfenden Bemühungen werden völlig unbeachtet gelassen. Es ist daher verständlich, daß die relativistisch-subjektivistischen Gegenströmun-gen, durch jene Hypostasen gereizt, ihrerseits erstarken. Ganz zurückgedrängt waren sie ja ohnedies niemals. Ich erinnere an meinen Bericht über „Die Grundlagen der Werttheorie“ in den Jahrbüchern der Philosophie, 1914, und an das dort abgedruckte Referat Max Schelers über Ethik. Damals spielten noch jene Relativisten eine Rolle, die aus der Entwicklungslehre und aus dem Darwinismus Argumente für den werttheoretischen Relativismus zu schöpfen vermeinten. Heute mutet uns freilich der Versuch Spencers als naiv an, das Gute mit dem Lebenfördernden, das Schlechte mit dem Lebenhemmenden oder jenes mit dem seinen Zwecken gut Angepaßten, dieses mit dem schlecht Angepaßten zu identifizieren. Hatte doch schon Lotze gegen jede entwicklungsgeschichtlich begründete Wertlehre Entscheidendes vorgebracht. Er sprach von jener ganz widerwärtigen und einfältigen Gewohnheit, die sich mit so großem Aplomb spreize, „in die unterhaltenden Einzelheiten der Naturgeschichte hinabzusteigen, um aus einer aufsteigenden Entwicklungstendenz der Tierwelt, die man erkannt zu haben sich einbildet, den Gipfel zu konstruieren, den konsequent das Verhalten der Menschheit bilden müßte. Wenn wir in unserem eigenen Gewissen die unwiderrufliche Richtschnur unseres sittlichen Urteils nicht finden könnten, von den Bestien würden wir sie gewiß nicht erhalten; denn was uns auch ihre Beobachtung lehren könnte, daß die Entwicklungsreihe, die wir an ihnen zu finden glauben, aufwärts zu dem Vollkommenen und nicht abwärts zu dem Schlechten geht, können wir doch nur wissen, weil uns vorher vollkommen klar ist, was wir als das bessere und was als das schlechtere Ende dieser Skala ansehen müssen“.