<p>Neben der viel diskutierten phänomenologischen Reduktion ist es die Wesensschau (auch als Ideation, kategoriale Anschauung, freie Variation in der Phantasie usw. bekannt), die den legitimen Sinn dessen konstituiert, was Phänomenologie ist und sein kann. Trotz ihrer grundlegenden Bedeutung wurde ihr jedoch weniger Aufmerksamkeit zuteil als der Reduktion. In der Wesensschau soll das Apriori evident selbstgegeben werden, wodurch sich die Aprioriforschung von einer transzendental-psychologischen Konstruktion zu einer im phänomenologischen Sinne positiven Untersuchung wandelt. Die Wesensschau selbst soll zuerst im Erlebnis wiederum positiv ausgewiesen und phänomenologisch untersucht werden, was im ersten Sinne als eine „Phänomenologie der Wesensschau“ bezeichnet werden kann. Solange aber die Wesensschau geradehin vollzogen wird, ohne ihren Anspruch auf Wesensnotwendigkeit zuvor einer Kritik zu unterziehen, kann der Letztbegründungsanspruch der Phänomenologie nicht erfüllt werden. In diesem Sinne spricht Husserl von einer „Phänomenologie der Phänomenologie“, und eine thematische, apodiktische Selbstkritik der Wesensschau kann als „Phänomenologie der Wesensschau“ in einem höheren Sinne bezeichnet werden. Dementsprechend widmet sich dieses Buch drei Hauptaufgaben: der Sinnklärung der Wesensschau in Husserls Philosophie, ihrer Untersuchung im Kontext der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Phänomenologie sowie ihrer apodiktischen Selbstkritik.</p>

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Phänomenologie der Wesensschau

  • Mingyu Wang

摘要

Neben der viel diskutierten phänomenologischen Reduktion ist es die Wesensschau (auch als Ideation, kategoriale Anschauung, freie Variation in der Phantasie usw. bekannt), die den legitimen Sinn dessen konstituiert, was Phänomenologie ist und sein kann. Trotz ihrer grundlegenden Bedeutung wurde ihr jedoch weniger Aufmerksamkeit zuteil als der Reduktion. In der Wesensschau soll das Apriori evident selbstgegeben werden, wodurch sich die Aprioriforschung von einer transzendental-psychologischen Konstruktion zu einer im phänomenologischen Sinne positiven Untersuchung wandelt. Die Wesensschau selbst soll zuerst im Erlebnis wiederum positiv ausgewiesen und phänomenologisch untersucht werden, was im ersten Sinne als eine „Phänomenologie der Wesensschau“ bezeichnet werden kann. Solange aber die Wesensschau geradehin vollzogen wird, ohne ihren Anspruch auf Wesensnotwendigkeit zuvor einer Kritik zu unterziehen, kann der Letztbegründungsanspruch der Phänomenologie nicht erfüllt werden. In diesem Sinne spricht Husserl von einer „Phänomenologie der Phänomenologie“, und eine thematische, apodiktische Selbstkritik der Wesensschau kann als „Phänomenologie der Wesensschau“ in einem höheren Sinne bezeichnet werden. Dementsprechend widmet sich dieses Buch drei Hauptaufgaben: der Sinnklärung der Wesensschau in Husserls Philosophie, ihrer Untersuchung im Kontext der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Phänomenologie sowie ihrer apodiktischen Selbstkritik.