<p>Dieser Essay zielt darauf, eine Mehrdeutigkeit der Rede von „Politisierung“ herauszuarbeiten, die sowohl für die Selbstkritik phänomenologischen Denkens als auch für die Kritik der Phänomenologie als eines öffentlichen Diskurses von Bedeutung ist. Die fraglichen Unterschiede betreffen das Verständnis dessen, was infolge einer Politisierung des Denkens anders konzipiert, kontextualisiert oder interpretiert wird, ob eine Politisierung intrinsisch oder extrinsisch motiviert und begründet ist und wie Art und Reichweite der daran geknüpften Ansprüche argumentiert werden können. Zwei Optionen werden erörtert: (1) eine interne Politisierung, die als phänomenologisch-methodischer Umgang mit Gegebenem und als kollektiv praktizierter Evidenzstil charakterisiert wird; (2) eine externe Politisierung, die sich als standort- und kontextabhängige weltanschauliche Idee und Praxis darstellt. Letztere versteht sich als eine politische Forderung und Erwartung, die eine thematisch einseitige bzw. verengte und / oder unreflektierte, unkritische, womöglich vorurteils- und ressentimentgeleitete phänomenologische Untersuchung korrigiert. Es wird argumentiert, dass interne Politisierung auf einer Metaebene stattfindet, auf der über Natur und Selbstbegrenzung der phänomenologischen Analyse nachgedacht wird. In konkreten Phänomenanalysen schlägt sich interne Politisierung lediglich indirekt, über deren methodische und theoretische Rahmung, nieder. Interne Politisierung ist mit autonomer Vernunftausübung verträglich. Dies gilt nicht für jede Form externer Politisierung, die als direkter Eingriff auf der gegenständlichen Ebene, im Zuge der Interpretation konkreter Phänomene, erfolgt. Zu klären ist: Wie können zulässige und eventuell unabdingbare Formen von Politisierung von unzulässigen unterschieden werden? Unter welchen Bedingungen unterliegt die Politisierung des Denkens einem Selbstwiderlegungseinwand?</p>

错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Ist das Gegebene noch zu retten? Über Chancen und Gefahren einer Politisierung der Phänomenologie

  • Sonja Rinofner-Kreidl

摘要

Dieser Essay zielt darauf, eine Mehrdeutigkeit der Rede von „Politisierung“ herauszuarbeiten, die sowohl für die Selbstkritik phänomenologischen Denkens als auch für die Kritik der Phänomenologie als eines öffentlichen Diskurses von Bedeutung ist. Die fraglichen Unterschiede betreffen das Verständnis dessen, was infolge einer Politisierung des Denkens anders konzipiert, kontextualisiert oder interpretiert wird, ob eine Politisierung intrinsisch oder extrinsisch motiviert und begründet ist und wie Art und Reichweite der daran geknüpften Ansprüche argumentiert werden können. Zwei Optionen werden erörtert: (1) eine interne Politisierung, die als phänomenologisch-methodischer Umgang mit Gegebenem und als kollektiv praktizierter Evidenzstil charakterisiert wird; (2) eine externe Politisierung, die sich als standort- und kontextabhängige weltanschauliche Idee und Praxis darstellt. Letztere versteht sich als eine politische Forderung und Erwartung, die eine thematisch einseitige bzw. verengte und / oder unreflektierte, unkritische, womöglich vorurteils- und ressentimentgeleitete phänomenologische Untersuchung korrigiert. Es wird argumentiert, dass interne Politisierung auf einer Metaebene stattfindet, auf der über Natur und Selbstbegrenzung der phänomenologischen Analyse nachgedacht wird. In konkreten Phänomenanalysen schlägt sich interne Politisierung lediglich indirekt, über deren methodische und theoretische Rahmung, nieder. Interne Politisierung ist mit autonomer Vernunftausübung verträglich. Dies gilt nicht für jede Form externer Politisierung, die als direkter Eingriff auf der gegenständlichen Ebene, im Zuge der Interpretation konkreter Phänomene, erfolgt. Zu klären ist: Wie können zulässige und eventuell unabdingbare Formen von Politisierung von unzulässigen unterschieden werden? Unter welchen Bedingungen unterliegt die Politisierung des Denkens einem Selbstwiderlegungseinwand?